Garth Brooks in Las Vegas: Zu Besuch im Wohnzimmer bei einem Freund


Über das aussergewöhnliche Erlebnis der „Garth only“ Konzertreihe im Wynn Casino hatten wir bereits im Internet viele Konzertkritiken gelesen. So richtig vorstellen konnten wir es uns jedoch nicht. Um es vorweg zu nehmen: dieser Abend war aussergewöhnlich, mitreissend und faszinierend. Und sehr persönlich: so als wäre man bei einem Freund im Wohnzimmer zu Gast, das Kaminfeuer knistert und der Freund erzählt aus seinem Leben, nimmt uns mit auf eine Zeitreise…
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Garth Brooks in Las Vegas

Garth Brooks in Las Vegas

19:40 Uhr – 4. Reihe (Row E) – Sitz 18 am Gang: Wir haben einen fantastischen Blick auf die Bühne, die nur ca. 15 Meter breit ist. Das Encore Theater ist klein, gemütlich, heimelig – es fasst ca. 1500 Besucher. Da sich diese aber auf zwei Ebenen verteilen, empfindet man die Anzahl nicht so gross. Die Bühne ist dunkel, nur eine Gitarre, ein Barhocker und zwei Plastikflaschen mit Wasser werden vom Scheinwerfer beleuchtet. Kurz vor 20 Uhr – eine Lautsprecher-Durchsage: keine Foto, – Video, – oder Audioaufnahmen. Pünktlich um 20 Uhr betritt Garth Brooks die kleine Bühne: ohne Bart in Jeans, schwarzem Hemd und schwarzer Baseball-Kappe. Alle im Theater stehen auf: standing ovations !!!

Garth Brooks zieht alle sofort in seinen Bann: ein fast fünfzigjähriger, der viel jünger wirkt, nur so vor Energie strotzt und von einer Seite der Bühne zur anderen läuft und beginnt, aus seinem Leben zu erzählen. Geboren und aufgewachsen in der Nähe von Tulsa, Oklahoma. Anfangs noch leicht nervös, beide Hände in den Hosentaschen seiner Jeans. Ein ungewohnter Anblick: ohne Bart und ein wenig „rund“ geworden, das „Bäuchlein“ ist nicht zu übersehen. Und dann der erste Song: „Much too young to feel this damn old“ – was für eine Stimme – kräftig und glasklar! Ganz allein mit seiner Gitarre auf der Bühne: perfekt – jeder Ton sitzt.

Und weiter geht die „Zeitreise“: der „kleine Garth“ wird von Anfang an von der Musik begleitet. Der Vater ist ein absoluter Fan von George Jones – für ihn, den Vater, gibt es keine andere Musik – und schon wieder erklingt die klare Stimme zu einem Song von George Jones…

Die 60’er Jahre: „something was going on“ meinte Garth Brooks nur lapidar: Steppenwolf, Janis Joplin, Simon & Garfunkel… und es erklingen einige Takte von Mrs. Robinson…

Garth Brooks redet mit uns, als ob wir vor dem Kaminfeuer in seinem Wohnzimmer sitzen… Das nächste Lied singt er vollständig: Cat Stevens‘ „Wild world“

Und dann erzählt er von „Mama“, die einen ganz anderen Musikgeschmack hat, als Daddy. Diese kleine dynamische Frau mag Soul und Garth Brooks singt einige Takte von Otis Redding’s „Sitting on the dock of the bay“…

Alle im Saal „kleben an seinen Lippen“, folgen ihm begeistert bei seinem Galopp durch die Jahre. Zwischendurch ein Garth Brooks Song: „The Rodeo“. Das Publikum bedankt sich mit „standing ovations“ !

Die 70er Jahre: James Taylor, ein Künstler, den Garth Brooks bewundert und der ihn stark beeinflusst hat…

Dann folgt ein anderer Wegbegleiter von Garth Brooks: Don McLean mit „American Pie“. Das Publikum singt laut mit…

Und Garth Brooks wechselt zu Elton John und singt „Rocket Man“

20:45 Uhr: eine Frauenstimme ruft laut nach einem Doktor. Ein Mann hat anscheinend einen Schwächeanfall erlitten. Die Lichter im Theater gehen an, Garth Brooks verlässt die Bühne. Hinter uns, in den oberen Reihen ist eine Menschentraube. Nach fünf Minuten sitzen alle Besucher wieder auf ihren Plätzen, Garth Brooks kehrt zurück auf die Bühne und wünscht dem Mann alles Gute. Es folgt Bob Seger’s „Night Move“ – Garth Brooks präsentiert diesen Song mit besonders viel Hingabe – SUPER !

Garth Brooks singt als nächstes „The Thunder Rolls“ und erneut „standing ovations“…

Und dann folgt ein Duett mit seiner Ehefrau, Trisha Yearwood, zum Schluss ganz ohne Gitarrenbegleitung – zwei begnadete sehr kräftige Stimmen begeistern das Publikum… Es erklingen drei Akkorde und das Publikum kreischt: „Friends in low Places“ ist der nächste Song und alle stehen auf und singen mit…

Garth Brooks kommt auf der Zeitreise in den 90er Jahren an, die Zeit seiner grossen Erfolge und er singt „If tomorrow never comes“.

Es folgt „Two of a kind“…

…und dann der absolute Höhepunkt des Abends: „Shameless“, zum Schluss nur gesungen von dieser einzigartigen, kräftigen Stimme – das Publikum gibt erneut „stehenden Applaus“…

Nun nimmt Garth Brooks Wünsche aus dem Publikum entgegen, es folgt ein Hit nach dem anderen… Zwischendurch ein Kommentar zu den Eintrittspreisen: „Dies hier ist das Wynn Casino und ich habe keinen Einfluss auf die Preise. Wenn meine Kinder mit der Schule fertig sind, werde ich wieder Konzerte geben und dann gibt es die Karten zu einem Bruchteil der Preise hier…“

Und dann singt Garth Brooks Billy Joel’s „Piano Man“ – sehr intensiv und überzeugend – es ist der letzte Song des Abends. Garth Brooks und Trisha Yearwood verabschieden sich Hand in Hand und mit Verbeugungen vom Publikum, es folgt keine Zugabe – ein einmaliger Konzertabend ist zu Ende…

Sing us a song you’re the piano man sing us a song tonight well we’re all in the mood for a melody and you’ve got us feeling alright – ‚cause he knows that it’s me they’ve been coming to see to forget about life for a while.

PASST !

Vor dem Wynn Casino eine lange Menschenschlange, die auf ein Taxi wartet – also laufen wir über den Las Vegas Strip zurück zu unserem Wohnmobil, vorbei an dem riesigen Reklame-Bildschirm – es war ein unbeschreiblich schöner Konzertabend und wir summen leise einige der Garth Brooks Lieder…

Garth Brooks in Las Vegas

Hinweis: Diese Reise fand im Jahr 2010 statt.